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Die Entwicklungen digitaler Technologien erleichtern unseren Alltag. Auch von unterwegs nutzen wir das Internet, führen Videotelefonate oder streamen unsere Lieblingsplaylist. Um den steigenden Anforderungen unseres digitalen Lebens gerecht zu werden, ist eine stetige Modernisierung und Flexibilität der Mobilfunknetze daher unerlässlich.
 
Wo ortsfeste Einrichtungen an ihre Grenzen geraten, setzt der sogenannte „mobile radio trailer“ (mrt) an – eine schnelle und flexible Lösung zur Netzabdeckung. Von Christoph Bügel erfahrt Ihr alles über die besonderen Eigenschaften der mrts und ihre Bedeutung für den Mobilfunk.

Herr Bügel, was genau ist ein mrt?
Ein mrt ist eine mobile Funkstation für den flexiblen Einsatz und stellt die Mobilfunkversorgung sicher. Er eignet sich besonders bei Events, Großveranstaltungen, Naturkatastrophen und Notlagen, wie beispielsweise bei der Flutkatastrophe im Sommer 2021. Darüber hinaus dient er als Ersatzstandort bei Umbauten und Optimierungen bestehender Funknetze. Ausgestattet mit Systemtechnik und einem integrierten Fahrwerk, kann der mrt als eigenständiges Anhängersystem transportiert und vor Ort hydraulisch abgesetzt werden.

Wie kam es zu der Entwicklung der mrts?
Den Anstoß für die Entwicklung der mrts hat die Vodafone im Jahr 2010 gegeben, aus einem ganz praktischen Grund. Vorgänger des mrts – sogenannte „cell on wheels" – waren bereits seit den 1980er-Jahren in Deutschland im Einsatz. Mit den steigenden Anforderungen und der höheren Komplexität konnten die cell on wheels die damaligen statischen Eigenschaften und Voraussetzungen nicht mehr erfüllen. Eine Weiterentwicklung war gefragt. Wir hatten bereits langjährige Erfahrung im Aufbau von Dachstandorten in Verbindung mit Kränen. So lag es nahe, dass wir uns um die Weiterentwicklung kümmern.
Seit wann sind mrts im Einsatz?
Der erste Prototyp wurde im Jahr 2010 von Hans-Georg Schwan maßgeblich entwickelt. Bereits im darauffolgenden Jahr war der mrt beim damaligen Papstbesuch im Einsatz. Es folgten Anfragen der Mobilfunknetzbetreiber. Bereits im März 2015 gelang der große Wurf mit der Bestellung von 60 mrts durch die Vodafone für den connect-Test im September 2015. Die Schließung der Versorgungslücken war der Durchbruch in der Akzeptanz und Realisierung der mrts. Aktuell sind rund 800 mrts deutschlandweit in Betrieb.

Worin liegen die Vorteile eines mrts?
Der mrt gilt als „fliegender Bau“ und erfüllt somit besondere rechtliche, statische und konstruktive Anforderungen und unterliegt keiner umfassenden Baugenehmigung im Vergleich zu ortsfesten Masten. Das spart Zeit und Verwaltungsaufwand. Hinzu kommt, dass die Statik der mrts exklusiv ist und einzigartige statische Eigenschaften hat, die ihn auch für einen längeren Einsatz befähigen. Am Einsatzort selbst dauern der Aufbau und die Inbetriebnahme nur wenige Stunden.

Erläutern Sie uns die Funktionsweise, welche Technik steckt dahinter?
Das Prinzip der mrts basiert – wie in der Automobilbranche – auf Modulen, die gemeinsam verheiratet werden. Untergestell, Mast, Käfig und Technikcontainer. Die mrts selbst sind bereits mit Systemtechnik ausgestattet, sodass sie am Einsatzort direkt ins bestehende Mobilfunknetz integriert und über Richtfunk in Betrieb genommen werden können. Je nach Bedarf und Einsatzort sind verschiedene Modellreihen und unterschiedliche Ausfahrhöhen von bis zu 30 Metern möglich. Ist eine geeignete Stellfläche gefunden, so braucht es einen Stromanschluss bzw. mobile Stromaggregate, um auch in abgelegenen Gebieten schnell einsatzfähig zu sein.

Herr Bügel, vielen Dank für das Interview!